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Unsere Partner: Im Gespräch mit Florian Henle von Polarstern

Unser Partner für nachhaltige Energie und Mieterstrom im Interview: Mit Polarstern-Geschäftsführer Florian Henle sprechen wir über die Philosophie hinter Polarstern, das Geheimnis unternehmerischer Innovation und die Immobilie als Ökokraftwerk. Über das Erfolgsrezept von Polarstern sagt er: "Unser Anspruch ist es, richtungsweisend zu sein. Richtungsweisend für uns heißt, die Energiewende zu den Menschen zu bringen, insbesondere im urbanen Raum. Wenn das mein primäres Ziel ist und ich [...] die ökologische und soziale Rendite genau gleich zur ökonomischen Rendite sehe, dann habe ich einen anderen roten Faden." Dieser hohe Anspruch zahlt sich aus: 2021 ist Polarstern zum vierten Mal in Folge als "Innovativstes Unternehmen in Deutschland" ausgezeichnet worden.

 

Gemeinsam mit zwei Partnern haben Sie Polarstern 2011 als Start-up gegründet und sind seitdem zu einem überaus erfolgreichen Unternehmen auf dem Energiemarkt geworden. Wie erklären Sie Immobilienbesitzern, was Sie tun?

Mit Polarstern sind wir der rundum-sorglos One-Stop-Shop für wirklich nachhaltige Energie. Wirklich nachhaltig heißt für uns, dass wir die Energiewende kompromisslos voranbringen, und zwar nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auch weltweit: Indem wir jedem Kunden, auch einer Familie in Kambodscha oder Madagaskar, zu erneuerbarer Energie und einem besseren Leben verhelfen. In Deutschland tun wir das zum Beispiel über Mieterstrommodelle. Das heißt, wir machen die Immobilie zu einem kleinen Ökokraftwerk, so dass direkt vor Ort saubere und gleichzeitig günstige Energie produziert wird: Strom, Wärme, im Bedarf auch Kälte oder Mobilität. So hat man seine eigene Energie, die nicht nur sauber ist, sondern auch günstiger als die vom Netz.

Sind Ihre Kunden primär an Nachhaltigkeit interessiert, oder bietet Ihr Modell dem Endverbraucher auch andere Benefits?

Kunden, die sich bewusst für Polarstern entscheiden, sind nachhaltig orientierte Kunden. Die Frage beim Thema Nachhaltigkeit ist immer: Was ist wirklich nachhaltig? Also zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Ökostrom und gutem Ökostrom. Ich glaube, wir geben unseren Kunden die Sicherheit, dass wir wirklich glaubwürdig und kompromisslos mit unseren Produkten sind. Der Kunde kann sich sicher sein, dass er tatsächlich die Energiewende vorantreibt. Konkret beim Mieterstrom ist es so, dass er nicht nur öko sein muss, sondern auch noch deutlich günstiger – und zwar bis zu 30% günstiger – als die klassische Energieversorgung aus dem Netz. Da ist also auch ein wirtschaftliches Argument.

War Nachhaltigkeit von Beginn an die Hauptantriebsfeder für Polarstern?

Wir haben Polarstern gegründet, um die Energiewende voranzutreiben. Der Klimawandel ist die Herausforderung unserer Generation – für meine Kinder wird es schon zu spät sein. Wir müssen jetzt etwas machen und wir können auch etwas machen, denn wir haben alle Lösungen und auch die Technik dazu. Deswegen haben wir uns gesagt: Wenn wir es mit der Energiewende wirklich so ernst meinen, dann lass uns dieses Unternehmen gründen und vor allem auf dem Wärmesektor etwas bewegen. Denn wenn wir uns unseren privaten Energieverbrauch ansehen, dann sind 20% Elektrizität und 80% sind Wärme. Für diesen ganzen Wärmemarkt gab es nichts. Wenn ich die Energiewende also tatsächlich als Energiewende betrachte und nicht nur als Stromwende, dann muss ich auch auf der Wärmeseite etwas machen. Das ist der Nukleus von Polarstern: Wir haben das Ökogasprodukt entwickelt und an den Markt gebracht. Den Strom haben wir noch dazu genommen, weil halt jeder Strom beziehen kann. Es ging uns schon immer darum, die Energiewende voranzutreiben – mit ausschließlich 100% erneuerbaren Produkten.

Die Liste Ihrer Gütesiegel und Auszeichnungen ist beeindruckend. In diesem Jahr ist Polarstern z.B. zum vierten Mal in Folge als "Innovativstes Unternehmen in Deutschland" ausgezeichnet worden. Erklären Sie sich den Erfolg Ihrer Geschäftsidee mit dieser Hartnäckigkeit und diesem Glauben an ihre Idee?

Es ist die Mischung aus Pflicht und Kür. Man muss seinen Job gut machen und das ist ganz, ganz viel Kernerarbeit. Aber ich glaube, der Grund, warum wir diese Auszeichnungen bekommen, ist die Überzeugung, aus der heraus wir Polarstern gegründet haben. Unser Anspruch ist es, richtungsweisend zu sein. Richtungsweisend für uns heißt, die Energiewende zu den Menschen zu bringen, insbesondere im urbanen Raum. Wenn das mein primäres Ziel ist und ich nicht nur möglichst viel Geld verdienen möchte, sondern die ökologische und soziale Rendite genau gleich zur ökonomischen Rendite sehe, dann habe ich einen anderen roten Faden. Unser roter Faden ist, für die Energiewende richtungsweisend zu sein und zu zeigen, was möglich ist. Das bedeutet auch, Produkte an den Markt zu bringen, bei denen noch nicht zu 100 Prozent klar ist, ob sie funktionieren werden. Aber wenn wir zum Beispiel glauben, dass es nicht sein kann, dass die Mieter alle EEG-Umlagen bezahlen, aber nichts davon haben – und wir uns dann überlegen, wie ein Produkt aussehen muss, damit auch die Mieter davon profitieren, dann kommt der Mieterstrom dabei heraus. Das haben wir früher und konsequenter angefangen als andere, weil es uns nicht nur darum ging, auf dem Excel Sheet ein Geschäftsmodell zu realisieren, sondern eine Lösung für die Energiewende im urbanen Raum anzubieten.Und dann ist man automatisch innovativer, weil man seine Entscheidungskriterien anders definiert. Innovation ist nur eine Folge daraus.

Mit Polarstern engagieren Sie sich auch in Entwicklungsländern.

Auch das gehört zum roten Faden. Wenn ich sage, wir haben Polarstern gegründet, um die Energiewende voranzutreiben, dann ist es in der Konsequenz nur logisch, dass Energiewende weltweit ist. Es reicht nicht, dass wir in Deutschland 100% grün sind, denn das Klima kennt keine Grenzen. Deswegen sorgen wir für die Energiewende hier in Deutschland, indem wir erneuerbare Anlagen bauen oder sie in den Markt integrieren, und auch erneuerbare Anlagen und Zukunftsmodelle in anderen Ländern bauen, insbesondere im globalen Süden. Ganz konkret sind das Mikrobiogasanlagen in Kambodscha und Impact Sites in Madagaskar. In Kambodscha geben wir mit unseren Kunden die Startfinanzierung zum Bau von Mikrobiogasanlagen – das Geld fließt aber auch wieder zurück. Das ist also keine Entwicklungshilfe, denn es muss sich rechnen und das Geld soll im Umlauf bleiben. In Madagaskar handelt es sich um sogenannte Impact Sites. Das sind Container mit Solarmodulen, Batterien, mobilen Kühlhäusern, Wasserpumpen etc., um die Elektrizität erst einmal in die Dorfgemeinschaften zu bringen und die lokalen Wirtschaftskreisläufe anzustoßen. Die beiden Projekte korrespondieren also mit unseren beiden Hauptprodukten Ökogas und Ökostrom.

Wenn man Polarstern auf den Sozialen Medien verfolgt, bekommt den Eindruck eines dialogbereiten und gemeinschafts- und gemeinwohlorientierten Unternehmens. Wie würden Sie die Kultur Ihres Unternehmens beschreiben?

Wenn das so nach außen rüberkommt, dann ist das super. Denn das ist auch unser Selbstbild. Die Kultur bei uns ist zunächst natürlich eine sehr faire, eine sehr teamorientierte und eine sehr werteorientierte. Gleichzeitig haben wir einen hohen Exzellenzanspruch an das was wir machen: Wir sehen uns als Speerspitze einer Gemeinwohlbewegung und auch einer Energiewendebewegung. Das ist diese Mischung aus Grün und Tech, von der wir überzeugt sind, sie ganz gut hinzukriegen. Wir haben sehr flache Hierarchien; wir arbeiten alle an der Sache aus voller Überzeugung, sehr intrinsisch motiviert und sind bereit, auch die Extrameile zu gehen. Nicht Polarstern ist das große Thema, sondern das Thema mit dem sich Polarstern beschäftigt. Die Energiewende im Einklang mit einer anderen, zukunftsorientierten Art des Wirtschaftens voranzubringen, das treibt uns alle an und sorgt auch für einen guten Spirit.

Sie feiern mit Polarstern dieses Jahr ihren 10. Geburtstag. Was sind die wichtigsten unternehmerischen Lehren, die Sie mit in die Zukunft nehmen?

Es mag abgedroschen klingen, aber es steckt viel Wahrheit darin: Können und Wollen müssen zusammenfallen. Dass Polarstern so gut funktionieren würde, hat uns am Anfang keiner zugetraut. Wir galten vielleicht als Spinner oder Idealisten oder sonst irgendwas – jeder fand uns nett. Aber es reicht nicht, nur nett zu sein. Wir haben daran geglaubt. Und wenn man wirklich daran glaubt, es wirklich will, und es auch kann – ich darf es nicht nur gut meinen, ich muss es auch gut machen – und dann dranbleibe, dann klappt es auch. Es gibt 1000 Hürden und 1000 Probleme, die Du überwinden musst und viele Dinge funktionieren nicht, aber man muss weitermachen und mit Köpfchen weitermachen. Es ist wirklich so: Glaub dran und mach was draus!